Seit wann haben Sie Zöliakie und wie kam es zur Diagnose?

Womöglich habe ich es schon, seit ich 15 Jahre alt bin. Damals hat mein starker Eisenmangel begonnen. Da mein Hausarzt lange dachte, dass der Grund für den Eisenmangel die Pubertät und die Periode ist, habe ich sechs Jahre lang Eisentabletten geschluckt. Bis man irgendwann skeptisch wurde und ich dann durch einen Bluttest und die Magenspiegelung zur Diagnose kam.

Wie sind Sie mit diesem Befund umgegangen?

Anfangs war das sehr schwer. Eine Umstellung von heute auf morgen ist natürlich sehr schwierig. Ich kann mich erinnern, dass ich zu Beginn oft sehr traurig und frustriert war. Meine Diagnose war kurz vor Weihnachten – dies hat das Ganze natürlich doppelt beschwert. Adieu Weihnachtskekse, frische Brötchen zum Frühstück, Kuchen, Mehlspeisen usw. Hinzu kam, dass meine Familie eine Weile brauchte, bis sie verstand, was Zöliakie bedeutet und wie sie mit mir und meinen Lebensmitteln umgehen muss.

Wie äußert sich Zöliakie?

Bereits kleinste Spuren von Gluten können Zölis schaden. Schon eine Tagesdosis von 20 mg kann zu Veränderungen an der Darmwand führen. Bei einer Menge von 50–100 mg zeigen sich bei jedem Betroffenen Veränderungen.

Eine kleine Veranschaulichung dazu: Eine Scheibe Brot enthält 2,5 g Gluten und somit kann bereits 1 Brösel schaden. Dies äußert sich bei jedem Zöliakiepatienten anders. Wenige reagieren mit Erbrechen oder Durchfall, bei den anderen wird schlicht und ergreifend das Immunsystem angegriffen, was dazu führt, dass man sich schnell mal erkältet oder sich sonst was einfängt.

Ist man anfänglich nicht überfragt? Wie haben Sie sich informiert?

Die Diätberatung des Krankenhauses hat mir sehr geholfen – danach habe ich mich selbst intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Letztlich habe ich auch eine 200-seitige Diplomarbeit darüber geschrieben. Ich denke, ich kenn mich mit der Symptomatik ziemlich gut aus und mache diese Diät nicht wegen einer Modeerscheinung. Ich will nicht abnehmen (kann man mit einer „glutenfreien Diät“ sowieso nicht) und wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gern normal essen.

Wie schwierig ist es für jemanden, der viel und gern reist, sich im Ausland glutenfrei zu ernähren?

Je nach Land kann das manchmal ganz mühsam sein. Fliege ich z.B. nach Skandinavien oder Australien, lande ich im „gluten-free paradise“ und freue mich über das riesige Angebot. In anderen Ländern habe ich immer glutenfreie Riegel, Müsli und Brot dabei oder eine Karte, auf der in der jeweiligen Sprache steht, was ich habe und was meine Beschwerden bei einer möglichen Einnahme wären.

Das funktioniert eigentlich immer ganz gut. Hier in Österreich habe ich in den Hotels sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Küchenchefs bemühen sich total und es gibt fast immer glutenfreie Brötchen und ansonsten gute Alternativen. Es wird von Jahr zu Jahr besser.

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