OÄ Prof. Dr. Tamar Kinaciyan
Universitätsklinik für Dermatologie, Abteilung Immundermatologie und infektiöse Hauterkrankungen der MedUni Wien

Vor allem in Frühjahr haben viele Österreicherinnen und Österreicher immer wieder den gleichen Kampf zu führen. Tränende Augen und Schnupfnase. Dann ist Heuschnupfenzeit. „Ein Leiden“, so Tamar Kinaciyan, Oberärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie, Abteilung Immundermatologie und infektiöse Hauterkrankungen der Medizinischen Universität Wien, „ das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Diese Art von Allergie hat sich in den letzten 50 Jahren rasant weiterverbreitet. Schätzungen besagen, dass bis zu 25- 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung betroffen sind.“

 

Überempfindlichkeit

 

„Heuschnupfen beruht in erster Linie auf einer Überempfindlichkeit gegen Eiweiße bestimmter Pollen. Sie gelangen vor allem im Frühjahr und Sommer während der Gräser- und Baumblüte in die Luft und bewirken bei den Betroffenen eine allergische Reaktion an den Schleimhäuten der Augen, Nase und Atemwege. Im weiteren Verlauf können sekundäre Beschwerden auftreten, wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Beeinträchtigung des sozialen Lebens bis hin zum allergischen Asthma“ berichtet die Allergie- Spezialistin.

 

Kreuzallergien

 

Die Zahl der Allergie auslösenden Stoffe könne im Laufe der Jahre immer weiter zunehmen - Menschen mit Heuschnupfen entwickelten oft sogenannte Kreuzallergien gegen andere Eiweiße, zum Beispiel aus pflanzlichen Nahrungsmitteln. „Die Ursache ist eine Überempfindlichkeit auf eigentlich harmlose Substanzen in der Umwelt. Die allergische Reaktionsbereitschaft ist vererbbar“, erklärt Ass. Prof. Dr. Kinaciyan. Das bedeute aber nicht, dass jedes Kind von Allergiker-Eltern selbst auch zum Allergiker werde, nur das Risiko sei höher.

 

„Die Ursache ist eine Überempfindlichkeit auf eigentlich harmlose Substanzen in der Umwelt.“

 

„Die Allergie auslösenden Pollen- Eiweiße binden sich an bestimmte weiße Blutkörperchen im Körper.

Diese geben daraufhin spezielle Botenstoffe ab (Histamin). Die Histamine rufen die typischen Beschwerden der Allergie hervor. Dennoch ist gerade bei erstmaligem Ausbruch, wenn Juckreiz fehlt, die allergischen Beschwerden des Heuschnupfens für viele Betroffene nicht von einem normalen Schnupfen zu unterscheiden.

„Immer mehr Patienten weisen stärker ausgeprägte Beschwerden auf“, berichtet die Oberärztin. „Um das Leiden für die Patienten zu mildern oder besser von Grund auf zu behandeln, ist die frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung unverzichtbar. In der Saison und Akutphase erfolgt sie durch Medikamente wie Antihistaminika und Kortikosteroide“, erläutert Frau Kinaciyan. Für manche Patienten reichen diese aus, um mit der Allergie zurecht zu kommen. „Spätestes jedoch bei einer Zunahme der Beschwerden oder Hinzukommen von Husten, einem sogenannten «Etagenwechsel», die in der Folge zum allergischen Asthma führt, die Anwendung einer spezifischen Immuntherapie, auch SIT genannt, angezeigt. Bei dieser Behandlung werden die Patienten der Substanz beginnend mit geringsten Mengen bis über 3 Jahre ausgesetzt, auf die sie allergisch reagieren, um so ihre Empfindlichkeit herabzusetzen. Sie sollte so früh wie möglich begonnen werden, da sie bei Patienten mit einer oder wenigen Allergien besonders gut wirksam ist. Kinder können in der Regel je nach Art der SIT ab dem fünften bis siebten Lebensjahr schon behandelt werden.“