Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Studnicka
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

Dies gilt für alle PatientInnen, die unseren Rat suchen, aber genauso für den „Lungenumweltschutz“, also Umgebungen zu ermöglichen, die schadstofffrei sind oder werden, seien es verrauchte Restaurants oder feinstaubbelastete Autobahnen.

Der Atem ist unmittelbar mit dem Leben verknüpft. In der Mythologie tauchen immer wieder Bilder auf, die vom Einhauchen des Lebens sprechen und Ähnliches geschieht bei der Reanimation. Das  Leben und der Geist sind also unmittelbare Verwandte des Atmens. Eine gesunde Lunge ermöglicht klares Denken. In vielen, vor allem ostasiatischen Traditionen ist die Konzentration auf den Atem ein wesentlicher Weg, die eigene Mitte zu finden. Wenn wir an Durchatmen und Durchschlafen denken, dann verbinden wir damit zwei wesentliche Funktionen, die, wenn sie gestört sind, nicht nur die Lebensqualität von Menschen hochgradig beeinträchtigen können, sondern auch grundlegend Beschränkungen der Lebenszeit verursachen.

 

Lungenerkrankungen

Im Jahr 2013 ist eingetreten, was von der Weltgesundheitsorganisation schon seit einem Jahrzehnt vorhergesagt wurde. Die  weltweit häufigste Lungenerkrankung, COPD, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, ist zur dritthäufigsten Todesursache  geworden. Ursächlich damit im Zusammenhang stehen langjährige inhalative Schadstoffbelastungen, die  durch das Abbrennen von biogenem Material in Innenräumen, z.B.  an  Kochstellen, entstehen und in unseren Breiten natürlich der chronisch inhalative Nikotinabusus. COPD ist eine Erkrankung, die unglaubliches persönliches Leid verursacht, und  die von uns allen so hoch geschätzte Mobilität dramatisch einschränkt und ökonomisch durch wiederholte Spitalspflichtigkeit enorme Gesundheitskosten verursacht. Es bleibt die Frage, warum die Lungenfunktion nicht gemessen wird, wo doch diese Messung   schmerzfrei und nebenwirkungsfrei ist, und es so möglich wäre,  COPD  Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Ein Lungenfunktionstest, eine Spirometrie, ist so einfach durchführbar wie eine Blutdruckmessung und könnte als Prophylaxe viele Gesundheitsschäden verhindern.

Aufgrund der vitalen Funktion der Lunge, dem sekündlich stattfindenden Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid, ist die Lunge ein Organ, das auf der Größe eines Tennisplatzes, wenn man alle Lungenbläschen nebeneinander auflegen würde, in intensivem Kontakt mit der Umwelt steht. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Lunge neben der Haut das anfälligste Organ für allergische Reaktionen darstellt.

 

Allergien als Verwandte von Asthma

Neben den allergischen Reaktionen im Bereich der oberen Atemwege, wie dem typischen Heuschnupfen, findet sich mit  Asthma eine Erkrankung, die oftmals vom einfachen Heuschnupfen ausgehend zu massiver Beeinträchtigung der Lebensqualität durch wiederholte hochgradige Atemnot führen kann. Im Gegensatz zur COPD, die meist erst jenseits des 40. Lebensjahres beginnt, sind oft Kinder und Jugendliche von Asthma betroffen und erfahren durch diese Erkrankung nicht selten soziale Ausgrenzung.

 

„Achten Sie auf Ihre Lunge, falls Sie ständig husten, Schmerzen haben oder unter Atemnot leiden. Sonst - genießen Sie jeden Atemzug Ihres Lebens und helfen Sie mit, die Umwelt zu gestalten, die uns Atmen lässt.“


Die Geschichte der Behandlung des Asthma bronchiale ist allerdings eine Erfolgsgeschichte der Pneumologie. So konnte die Morbidität dieser Erkrankung durch die Einführung der inhalativen Kortisonpräparate seit den 1970er Jahren deutlich reduziert werden. Neben der Möglichkeit der wirksamen Behandlung, gibt es aber auch eine Vielzahl von Maßnahmen der Allergenreduktion im täglichen Leben und häuslichen Umfeld. Stichworte sind milbendichte Bettüberzüge ebenso wie die Sanierung von Schimmelpilzbefall in Innenräumen bis hin zur Vermeidung von intensiver Belastung durch kalte Luft, die ebenfalls einen Asthmareiz darstellt.

 

Saubere Luft für bessere Lebensqualität  

Während Schadstoffwerte der Außenluft in Peking gesundheitsgefährdende Werte erreichen, ist die Schadstoffbelastung der westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Trotzdem lassen sich auch heute noch  Zusammenhänge zwischen Außenluft, Schadstoffbelastung und Sterblichkeit herstellen. Auch ein Wohnortwechsel in ein Gebiet besserer Luftqualität führt zu einer verbesserten Lungenfunktion. Als Arzt und Lungenspezialist  möchte  ich Sie ermuntern,  Ihren Lungen mit Achtsamkeit zu begegnen. Neben Maßnahmen der Allergenvermeidung, falls eine Allergie vorliegt, und einem Schutz vor intensiver Rauch- oder Gasbelastung, gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, die bei  Erkrankungen  der Lunge hochwirksam sind oder diese sogar verhindern können.