Sie machen sich eilig auf den Heimweg, die Tür hinter sich zu und hoffen, erleichtert durchatmen zu können. Denn Sie leiden an Allergien und im Freien machen Ihnen Feinstaub, Pollen & Co. stark zu schaffen.

Vielen Menschen ist dabei allerdings nicht bewusst, dass die Luft in Innenräumen wesentlich stärker mit Schadstoffen belastet sein kann als die Luft vor der Haustür. Gerade jetzt mit Beginn der warmen Jahreszeit, wenn die Belastung durch Feinstaub und Pollen vielen Menschen einen Aufenthalt im Freien erschwert, ist es umso wichtiger, für gesunde Luft in den eigenen vier Wänden zu sorgen.

Die häufigsten Allergieauslöser über die Raumluft

Allergene Stoffe können unangenehme Reaktionen des Immunsystems auslösen. Sie können dabei danach unterschieden werden, wie sie in unseren Körper gelangen. Über die Raumluft – und damit über die Atmung – werden die sogenannten Inhalationsallergene aufgenommen.

Die häufigsten Probleme verursachen dabei Schimmelpilzsporen, Pollen, Staub, Tierhaare, Milben und gasförmige Gifte. Allergiker und Atemwegserkrankte leiden damit zu Hause oft stärker als im Freien und die Symptome reichen von Reizungen der Schleimhäute bis hin zur Asthmaerkrankung.

Und die Menge an allergenen Stoffen, die wir einatmen, kann dabei enorm sein: Bei erhöhter Konzentration in der Luft nehmen wir pro Jahr beispielsweise so viele Pollen auf, dass diese aneinandergereiht eine Länge von über 79 Metern ergeben!

COPD und Asthma als verschärfte Auswirkung

Verlaufen allergische Symptome der Atemwege chronisch, können COPD oder Asthma die Folge sein. Die Raumluft kann dabei großen Einfluss auf Entstehung und Verlauf der Erkrankungen nehmen. COPD trifft zwar hauptsächlich aktive Raucher, aber diese Krankheit kann leider auch Menschen treffen, die in geschlossenen Räumen passiv „mitrauchen müssen“. Und Asthma tritt häufig als allergische Form auf, die durch Einflussfaktoren wie Schimmelsporen in Innenräumen begründet sein kann.

Die Wohnung als allergiefreie Zone

Wer gerade neu baut oder umfassend renoviert, der hat die Möglichkeit, bereits in der Planung bauliche Maßnahmen zu berücksichtigen, die auf die Raumluft positiv einwirken. So ist die Wahl der richtigen Baumaterialien und Baustoffe wie beispielsweise die Verwendung von Ziegeln, feuchtigkeitsregulierenden Putzen und diffusionsoffenen Wandfarben nicht nur für ein angenehmes Raumklima verantwortlich, sondern sorgen auch dafür, dass eine potenzielle Schimmelbildung eingeschränkt bzw. verhindert wird.

Darüber hinaus kann der Einbau einer Wohnraumlüftung angedacht werden. Diese sorgt für einen kontrollierten Luftaustausch und kann bei Einsatz von entsprechenden Filtern die Pollen- und Feinstaubkonzentration erheblich senken.

Leitfaden zur Selbsthilfe

„Kontaktvermeidung“ ist für Allergiker das Gebot für beschwerdefreie Stunden. Zumeist lässt sich diese Situation aber in der Praxis zu Hause nicht realistisch herbeiführen. Daher möchte ich Ihnen ein paar Tipps geben, um häufige Belastungsquellen zumindest zu reduzieren.

Pollen: Lüften Sie dann, wenn die Pollenkonzentration gering ist. Dies ist in der Stadt am Morgen und am Land am Abend sowie jeweils nach Regenfällen. Beachten Sie auch Flugzeiten und Belastungshöhen von Pollenwarndiensten. Wohnung regelmäßig feucht aufwischen bzw. Staubsauger mit entsprechenden Filtern verwenden. Technisch können Fenster mit Pollenschutzgitter nachgerüstet werden oder Sie können mit qualitativen, mobilen Luftfiltergeräten deutliche Linderung erzielen.

Schimmelsporen: Beseitigen Sie jedenfalls die Ursache für die Schimmelbildung. Die Schimmelbeseitigung bzw. Sanierung sollte dem Ausmaß des Schadens und der Art der Raumnutzung angepasst werden. Umfangreichere Sanierungsarbeiten sollten jedenfalls von gewerblichen Firmen durchgeführt werden.

Staub: Gegen den „Hausstaub“ Böden und Oberflächen regelmäßig feucht wischen. Teppiche regelmäßig saugen – Schwebstofffilter verwenden. Auf Feinstaubquellen achten: Nicht in Innenräumen rauchen und auf Kerzen weitgehend verzichten. Beim Kochen Dunstabzug verwenden und generell regelmäßig lüften.

Gasförmige Gifte: Sogenannte VOC's können aus Lacken, Farben, Reinigungsmittel, Bodenbeläge, Kleber etc. in die Raumluft ausdampfen. Achten Sie beim Kauf solcher Produkte auf Umweltzeichen und Gütesiegel und beachten Sie mögliche Gefahrenhinweise auf der Verpackung.

Luft als Lebensmittel

Mit einer täglichen Aufnahme von ca. 15 kg stellt Luft unser wichtigstes Lebensmittel dar. Tag für Tag nehmen wir ca. 1 kg feste Nahrung, 2,5 kg flüssige Nahrung, aber 15 kg Luft auf. Und da wir ca. 90 Prozent unserer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen, konsumieren wir vorrangig Raumluft. Die Raumluft ist also ein bestimmender, aber immer noch unterschätzter Faktor für unsere Gesundheit.