DI Peter Tappler
Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie

Der moderne Mensch hält sich mehr als 90% seiner Lebenszeit in Innenräumen auf, es ist daher besonders wichtig, dass für eine gute und gesunde Luft in den eigenen vier Wänden und am Arbeitsplatz gesorgt wird. Aus Gründen der Energieeinsparung und Komfort wurden Fenster und Gebäudehüllen in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgedichtet, und das ist, entgegen weit verbreiteter Meinung, richtig und gut so. Niemand will mehr ernsthaft in zugigen Häusern mit kalten Wänden wohnen und arbeiten. Nach diesem ersten Schritt muss jedoch der nächste folgen: eine ausreichende Luftzufuhr, welche die vom Menschen und Innenausstattung der Räume unweigerlich produzierten Stoffe (Gerüche, flüchtige Kohlenwasserstoffe, CO2) abführt.

 

Komfortlüftung als Lösung

Bei unseren dichten Gebäuden kann die gesundheitlich notwendige Frischluftmenge im Allgemeinen nur mit Komfortlüftungsanlagen bereitgestellt werden, Fensterlüften alleine ist oft nicht mehr ausreichend. Vor allem betrifft dies Schul- und Unterrichtsräume sowie Schlafzimmer. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass wir bei besserer Schullüftung, wie sie schon in mehreren Versuchsschulen verwirklicht ist, Leistungsgewinne im zweistelligen Bereich erreichen könnten, und das ganz ohne Einstellung neuer Lehrer!

 

Schutz gegen Feuchtigkeit

Ein immer wichtigeres Thema bei dichten Gebäuden ist mikrobieller Befall und feuchtes Raumklima, die sich im Winter in unschönen Schimmelflecken zeigen. Schimmelbefall durch zu feuchte Raumluft ist vor allem in Wohnungen mit hoher Belegung und dauernder Nutzung ein Thema, junge Familien mit Kindern und andere dicht belegte Innenräume sind hier besonders gefährdet. Komfortlüftungsanlagen der neuesten Generation können auch hier die überschüssige Feuchte abführen und helfen überdies beim Energiesparen. 

 

„Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass wir bei besserer Schullüftung Leistungsgewinne im zweistelligen Bereich erreichen können.“

 

Auch hier ist Qualität gefragt: billige, schlecht eingestellte und laute Anlagen machen dem Nutzer wenig Freude. Komfortlüftungsanlagen können auch klein sein und sind in jedem Fall bedarfsgesteuert, hochwertige Zuluftfilter und mitunter eine Feuchterückgewinnung sind empfehlenswert.

Damit wird verhindert, dass die Raumluft im Winter zu stark austrocknet und allergene Pollen und gesundheitsschädlicher Feinstaub von außen eindringen können. An dieser Stelle muss man auch mit einem Vorurteil ausräumen, das immer wieder herumgeistert: Fenster können und dürfen zu jeder Zeit geöffnet werden, wenn es dem Nutzer so gefällt.

 

Positive Wirkung durch Luftionen

Rauchen in Innenräumen, wenn Nichtraucher anwesend sind, ist mittlerweile bei kultivierten Menschen ein absolutes No-Go, und das ist gut so. Desinfektionsmittel und Duftstoffe, so verlockend deren Anwendung in der Werbung auch erscheint, werden ebenfalls eher als Gesundheitsrisiko denn als Verbesserung der Innenraumluftqualität angesehen. Ein interessanter Punkt versprechen Luftionen zu werden: Schon seit längerer Zeit wird, wie Studien an Wasserfällen zeigen, vermutet, dass Luftionen positive Wirkungen auf den menschlichen Organismus besitzen.

Neuere Doppelblind-Studien aus Österreich belegten, dass eine moderate Erhöhung der Ionenkonzentration zu günstigeren Bedingungen für kognitive Leistungsfähigkeit führte. Zudem konnte eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem statistisch signifikant nachgewiesen werden. Dem Thema wird daher in Zukunft größere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

 

Planungsprozess bedeutend

Wie komme ich nun zu einer guten Raumluft? Wichtig ist es, sich mehr Zeit für die Planung zu nehmen und Experten heranzuziehen. Bei der Errichtung und Renovierung von Gebäuden ist es schlau, auf Lösungsmittelfreiheit der Baustoffe und geprüfte, gesunde Materialien für die Innenausstattung zu achten. Summa summarum sind all die angesprochenen Punkte in einem von bauökologisch erfahrenen Experten geplanten Passivhaus am besten verwirklicht.