Allergien sind ein weitverbreitetes Leiden in unserer Industriegesellschaft. An erster Stelle sind die Pollenallergie und die Hausstaubmilbenallergie zu nennen, bestätigt uns Prim.Priv.-Doz.Dr. Fritz Horak, Leiter des Allergiezentrums Wien West, der uns zu diesem Thema Auskunft gibt. Während der Patient bei einer “normalen” Krankheit an den Auswirkungen von Infektionen durch Bakterien- oder Virenbefall leidet, bestehen die Symptome einer Allergie aus der Antwort des Immunsystems auf Allergene, also Stoffe, gegen die der Patient sensibilisiert ist.

 

Strategien zur Eindämmung der Auslöser

Man kann Hausstaub nicht vermeiden, wohl aber die Ansiedlung von Milben. Im Schlafzimmer sollte man auf das Raumklima achten (es sollte weder zu feucht noch zu warm sein). Bettwäsche sollte man regelmäßig bei über 60 Grad waschen. “Matratzenhüllen sind sehr sinnvoll, das ist ein eng gewebtes Material das die ganze Matratze umgibt, wo die Milben nicht mehr durchkommen”, so Dr. Horak. Regelmässig Staub zu saugen ist wichtig, es sollte aber nicht vom Allergiker selbst gesaugt werden. Doch einzelne Maßnahmen reichen nicht aus:”Oft ist es eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen” die zur Anwendung kommen muss.

 

Beschwerden lindern

Ein Milbenallergiker hat die meisten Beschwerden in der Nacht und am Morgen, “weil er da Tür an Tür mit der Milbe lebt”, so Dr. Horak. Typische Symptome sind eine rinnende oder verstopfte Nase (allergische Rhinitis) oder eine Augenentzündung (Konjunktivitis). Kinder mit Milbenallergie haben ein fünffach erhöhtes Risiko später an Asthma zu erkranken. Man weiß, dass „der Wechsel von reiner Schnupfensymptomatik zu Asthma relativ häufig erfolgt, und dass man durch eine Milbentherapie dieses Asthma auch verhindern kann“, erklärt Dr. Horak. Eine frühzeitige Therapie kann helfen wieder ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen und beugt Folgeerkrankungen vor.

 

Nachhaltige Behandlungsmöglichkeiten

Einerseits ist eine symptomatische Therapie möglich, etwa durch Antihistaminika, die die Ausschüttung von Histaminen (Botenstoffe des Immunsystems) hemmen und die überschießende Reaktion dämpfen. Aktuelle Antihistaminika sind weitgehend nebenwirkungsfrei, sie beeinträchtigen die Verkehrstauglichkeit in der Regel nicht. Die Wirkstoffe sind als Tabletten, Nasentropfen oder Augenspray erhältlich, die den Betroffenen helfen den Alltag ohne allergischen Schnupfen oder ähnliche Symptome zu bewältigen. Ebenfalls lokal anwendbar sind – für schwerere Fälle – Kortisontropfen zur Eindämmung der Entzündungsreaktion. Die Anwendung von Kortison ist seltener erforderlich. 

Andererseits bietet sich als kausale Therapie (Bekämpfung der Ursache) die spezifische Immuntherapie an, in Gestalt der SLIT (Sublinguale Immuntherapie, Einnahme in Tropfen- oder Tablettenform) und der SCIT (Subkutane Immuntherapie, per Injektion unter die Haut). Bei der Einnahme in Tropfenform sind Nebenwirkungen sehr selten und beschränken sich oft auf ein Brennen oder Jucken während der ersten Anwendungen. Die Tropfen müssen vom Patienten über drei Jahre täglich genommen werden. Im Falle der subkutanen Therapie bekommt man ebenfalls über das ganze Jahr hinweg alle vier bis acht Wochen Injektionen. “Die Erfolgsraten sind sehr gut”, meint Dr. Horak - die Subkutane Therapie hat bei Milben eine Erfolgsquote von über 60%.

Mit ärztlicher Unterstützung und etwas Umsicht lässt sich das Problem also durchaus in den Griff bekommen.