Prim. Univ.- Prof. Dr. Michael Studnicka
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

Die Lunge ist hauptverantwortlich dafür, dass wir frei durchatmen können, was wiederum für einen erholsamen Schlaf entscheidend ist. Das freie Durchatmen und/oder der gesunde Schlaf können jedoch durch viele Faktoren beeinträchtigt werden. Allein von den häufigsten Lungen- und Atemweg­erkrankungen wie etwa Asthma, der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder schlaf­assoziierten Atemwegsstörungen, wie beispielsweise der obstruktiven Schlafapnoe, sind bis zu 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung betroffen. Ein wichtiges Ziel bei der Therapie solcher Krankheiten ist es, die PatientInnen so zu behandeln, dass sie wieder eine gute Schlafqualität erreichen. Denn eine gute Schlafqualität ist ganz eng verknüpft mit einer guten Lebensqualität.

Ein gesundes Umfeld schaffen

Wichtig für einen entspannten und erholsamen Schlaf ist, im eigenen Schlafzimmer ein Umfeld zu schaffen, in welchem die Umgebungsbedingungen die Schlafqualität nicht beeinträchtigen. Das häufigste Allergen etwa, welches mit Asthma assoziiert ist, ist die Hausstaubmilbe. Diese „wohnt“ bevorzugt in der Bettwäsche, weshalb es vor allem nachts zu einem intensiven Allergenkontakt kommt. Bereits mit einfachen Maßnahmen kann man diesen Kontakt wirkungsvoll beseitigen, wie z.B. durch spezielle, milbendichte Bettwäsche und regelmäßiges Lüften. Positive Umgebungsbedingungen für unsere Atemwege und unsere Lunge sollten wir aber nicht nur als Einzelpersonen in unseren eigenen vier Wänden schaffen, sondern auch im öffentlichen Raum. Wir sollten also als Gesellschaft dafür sorgen, dass wir gemeinsam frei durchatmen können.

„In Österreich sind bereits viele Rahmen­bedingungen erfüllt, die es dem Einzelnen ermöglichen, seine Lunge gesund zu halten. Dennoch ignorieren viele diese Bemühungen, die die Gesellschaft gesetzt hat.“

Stärkere Lungen durch weniger Emissionen

Vor wenigen Wochen sind im New England Journal of Medicine Untersuchungen aus Kalifornien publiziert worden, die weltweit einzigartig sind, weil sie einen Beobachtungszeitraum von 15 Jahren umfassen. Als Folge umweltpolitischer Maßnahmen hat sich in diesem Zeitraum die Luftqualität, vor allem aufgrund des Rückgangs von verkehrsbedingten Emissionen, deutlich verbessert. Bei den Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen wurde festgestellt, dass weniger Luftschadstoffe ein besseres Lungenwachstum begünstigen und es dadurch deutlich weniger Personen gibt, die an einem pathologisch eingeschränkten Lungenvolumen im Erwachsenenalter leiden. Aber nicht nur die schlechte Luft, etwa durch Verkehrsemissionen, auch der Lärm, der durch den Verkehr verursacht wird, beeinträchtigt die Schlafqualität vieler Menschen. Auch hier ist es grundsätzlich wichtig, Maßnahmen zur Verbesserung zu setzen.

Zu spät essen schadet

Nicht immer müssen Atemnot und Schlafstörungen von chronischen Krankheiten oder Schadstoffen in der Luft herrühren. Oft können das freie Atmen und die Schlafqualität dadurch beeinträchtigt werden, dass wir zu viel oder zu spät essen. Das kann zu nächtlichen Refluxepisoden führen, einem Problem, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Denn die physiologische Verarbeitung der Nahrungsaufnahme, in der der Körper damit beschäftigt ist, zu verdauen, ist nicht kompatibel mit einem entspannten Schlaf. Das Essen liegt uns dann im wahrsten Sinne des Wortes schwer im Magen. Dieser grenzt unmittelbar an das Zwerchfell an, das wiederum unser wesentlichster Atemmuskel ist. Ein voller Magen übt auch im Liegen von unten Druck auf das Zwerchfell aus, und erschwert daher das Atmen – und wer nicht frei atmen kann, kann auch nicht entspannt schlafen.