Otto Spranger
Sprecher der Österreichischen Lungenunion Selbsthilfegruppe für Atemwegs- und Lungenerkrankungen

Allergien können lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Das mögen viele Menschen nicht gerne hören, aber es stimmt. Vor allem auf lange Sicht. Wussten Sie, dass sich der Heuschnupfen Ihres Kindes ohne Behandlung mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Asthma bronchiale entwickeln könnte? Nach Schätzungen der European Academy of Allergy and Clinical Immunology erhöht sich die Anzahl von Betroffenen. Somit würde in einigen Jahren circa jeder zweite Europäer an einer allergischen Atemwegserkrankung (Heuschnupfen oder Bronchialasthma) leiden. Aufklärung und Behandlung ist uns daher ein sehr großes Anliegen!

Asthma ist zwar die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter, von Vorteil ist jedoch, dass bei richtiger und rechtzeitiger Therapie ein ganz normales Leben inklusive Sport möglich ist. Die Situation gerade bei Kindern besteht oft darin, dass sie nicht klagen. Sie bewegen sich einfach langsamer, wenn sie bei schnellen Bewegungen keine Luft kriegen. Sie spielen ruhigere Spiele und sitzen vor dem Computer statt mit den Freunden um die Wette zu laufen. Sie kratzen sich bei Juckreiz, aber sie gehen nicht von selbst zum Arzt. Die Unterstützung der Eltern ist daher äußerst wichtig.

 

Inhalieren statt Medikamente schlucken

Während bei anderen Erkrankungen immer wieder die großen Durchbrüche in der Behandlung in den Zeitungen stehen (z.B. die Erfolge in der Krebsbehandlung), hat sich die Therapie des Asthmas und des Heuschnupfens in vielen kleinen Schritten vollzogen. Doch der Erfolg kann sich sehen lassen. Litten viele Asthmatiker vor 20 oder 30 Jahren noch unter regelmäßigen schweren Anfällen, langfristig hochdosierten Kortisontherapien oder Medikamenten mit starken Nebenwirkungen, so sind die heute üblichen Mittel zum Inhalieren wesentlich niedriger dosiert, nahezu nebenwirkungsfrei und – last but not least – in den meisten Fällen mindestens ebenso wirksam, wenn nicht wirksamer. 

 

Behandlung und Therapie sind wichtig

Probleme bestehen noch darin, rechtzeitig die richtige Therapie zu finden. Denn je länger Heuschnupfen unbehandelt bleibt, umso eher entwickelt sich ein Asthma daraus. Je länger das Asthma unbehandelt bleibt, desto wahrscheinlicher werden bleibende Schäden an der Lunge. Gerade zu Beginn einer Allergie wirkt auch die ursächliche Behandlung mittels spezifischer Immuntherapie (Hyposensibilisierung) am besten - nebenbei bemerkt, nach derzeitigem Stand des Wissens wahrscheinlich auch gegen Kreuzreaktionen.

 

Wohin die Reise (bei einer Erkrankung) geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt.

 

Auf Symptome achten

Dass die Therapie oft sehr oder zu spät kommt, liegt meist an den Patienten bzw. im Fall von Kindern an deren Eltern. Sechs bis neun Jahre dauert es im Durchschnitt vom Beginn der ersten Symptome bis zur Allergie-Diagnose. Nur etwa die Hälfte der Fälle ist diagnostiziert. Und von diesen Allergikern unterzieht sich wiederum nur etwa die Hälfte einem Allergietest zur genaueren Bestimmung der Allergie. Aus diesem Grund ist die Aufklärung der Bevölkerung über Asthma und Allergien so wichtig. Diese Spezialausgabe möchte mit interessanten Artikeln zur Aufklärung beitragen. Freuen Sie sich auf wertvolle Interviews mit Experten zum Thema. Es sind unterschiedliche Thematiken aufgenommen, so erfährt man z.B. Hilfreiches wie man allergische Beschwerden lindern kann. Vielleicht erkennen auch Sie den einen oder anderen Fall und können mithelfen, dass alle AllergikerInnen rechtzeitig gut behandelt werden – falls Sie selbst betroffen sind, auch Sie.