DI Dr. Peter Holzer
IBR&I - Institute of Building Research & Innovation

35 Kubikmeter müssen pro Stunde und Person in unsere Wohnungen einströmen, um die entstandenen Schad- und Geruchsstoffe auf ein verträgliches Maß zu verdünnen und abzuführen. Wie auf das Atmen, sollten wir auf das Lüften unserer Wohnungen nicht vergessen. Aus gutem Grund.

 

Frische Luft hält uns gesund und leistungsfähig. Die Qualität der Luft, die wir einatmen, ist dabei – wie bei allen anderen Lebensmitteln – entscheidend.  Wie neueste Studien zeigen, hat sie Einfluss auf unser Wohlbefinden, unseren Energiehaushalt und unsere Leistungsfähigkeit. Doch die Zeiten, in denen Fenster unverglast waren und dem Wind freien Zugang boten, sind vorbei. (Im englischen „window“ steckt nicht zufällig das Wort „wind eye“, also Wind-Auge.) Seit dem Einsatz von Fensterglas blieb der Wind draußen, aber es kam dennoch ausreichend Luft zum Atmen durch die vorhandenen Ritzen und Fugen. In den Häusern des 21. Jahrhunderts, die zugfrei und dicht sind, ist dies nicht mehr garantiert.

 

Genug Luft im Haus?

Bleibt nun die Frage, wie der lebensnotwendige Luftaustausch zu bewerkstelligen ist, denn 35 Kubikmeter Luft pro Stunde und Person kommen heute nicht mehr von selbst ins Haus. Einerseits reicht manuelles Lüften über die Fenster vor allem für Schlaf- und dicht belegte Räume wie Vortragssäle allein nicht mehr aus. Schimmelbefall durch zu feuchte Raumluft kann nicht mit Sicherheit vermieden werden.
 

DI Peter Tappler
IBO Innenraum-analytik OG

High-tech für gesunde Raumluft

Wohnraumlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sind in hygienischer und ökologischer Hinsicht eine adäquate Lösung: Frische Luft wird angesaugt und gefiltert in die Wohnräume gebracht. Die Wärme der abgesaugten verbrauchten Luft wird dann großteils an die zuströmende Luft übertragen. Da solche Anlagen aber noch lange nicht zum Standardinventar von Wohnhäusern gehören, sind die sorgsame Planung durch erfahrene Experten und ein exakt abgestimmter Einsatz das Um und Auf. Dennoch, die High-tech-Lösungen für gesunde Raumluft „rechnen“ sich rein finanziell fast nie.
Low-tech-Frischluft-Lösung
Kostengünstigere Low-tech-Lösungen sind Abluftanlagen mit freien Zuström-Öffnungen oder auch automatischen Öffnungsmechanismen an Fenstern oder Oberlichten. Schläft man, ist beschäftigt oder nicht zu Hause, stellen diese den notwendigen „Luftwechsel“ sicher.


Spezialisten gegen Sommerhitze

Elektrisch angetriebene Fenster sind auch „Spezialisten“ für eine weitere Zusatzfunktion der Lüftung: Die nächtliche Kühlung unserer Wohnräume in Hitzephasen. Das Prinzip ist längst bekannt: Wände und Decken speichern die Hitze des Tages und können sie durch nächtliches Lüften während der Nacht wieder abgeben, um am nächsten Tag wieder als kostenlose Hitzebremsen zu wirken. Diese nächtliche „Entwärmung“ funktioniert aber nur mit großen Luftmengen, die gleichzeitig zu- und abgeführt werden. 35 Kubikmeter pro Person und Stunde reichen für den entwärmenden Lüftungseffekt bei weitem nicht aus. Zehn Mal mehr muss es sein.

Aber diese Mengen können nicht mehr von Lüftungsanlagen, sondern nur durch gezieltes Öffnen von Fenstern – dem allseits bekannten „Durchlüften“ – bewerkstelligt werden. Hier leisten automatisch öffnende Fenster sehr gute Dienste für das Wohlbefinden, den Energiehaushalt und die Leistungsfähigkeit. Weil sie sich zur richtigen Zeit öffnen und auch schließen, etwa wenn es zu regnen beginnt. Denn es ist ein Schlüsselprinzip gesunden und nachhaltigen Bauens: Schutz vor Kälte, Lärm, Hitze, Niederschlag so oft wie nötig, aber Öffnung zur Sonne, zur Luft, zum Außenraum so oft wie möglich.