OA Dr. Sylvia Hartl
Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

Luft und Lungen sind miteinander durch unsere Atmung verknüpft: wir atmen in unserem Leben durchschnittlich 300 Liter Mio Luft! Eingeatmet wird alles, was in der Luft schwebt: Allergene, Staub, Rauch, Gase, kurz auch alles was wir nicht zum Atmen brauchen. Viele Sto e können zu schwerwiegenden Lungenkrankheiten beitragen.

 

Vielfältige Belastungen

Besondere Bedeutung hat das inhalative Zigarettenrauchen, das über viele Jahre zu einer ständigen Belastung der Lungen mit einem Schadstoffgemisch aus ca 3500 giftigen Substanzen führt.

Bei vielen Menschen legt das Rauchen den Grundstein für COPD- die chronisch obstruktive Lungenerkankung- einer fortschreitenden schleichenden Erkrankung, die zu Atemnot, Invalidität und Tod führen kann.

 

Volkskrankheit COPD

COPD nimmt weltweit ständig zu, während andere Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes eher abnehmen oder stagnieren.

Der Begriff COPD ist nach wie vor in der Bevölkerung relativ unbekannt, obwohl jeder fünfte Erwachsene über 40 in einer österreichischen Epidemiologiestudie der Universitätsklinik in Salzburg daran erkrankt ist! Früher wurden unterschiedliche Namen für dieselbe Erkrankung verwendet, je nachdem welche Symptome im Vordergrund standen: chronische Bronchitis, Lungenemphysem, Raucherhusten, obstruktive Bronchitis und vieles mehr, was in den Krankheitsstatistiken die Erkrankungszahlen verwischt. COPD beginnt mit Husten und anfänglich kaum Atemnot, wird aber im Laufe der Jahre immer mehr von Atemnot dominiert.

 

Asthma

Allergene wie Pollenstaub, Tierepithelien, Staubmilben etc können bei empfänglichen Personen nach dem Einatmen zu Asthma bronchiale führen. Asthma bronchiale ist eine chronische Lungenkrankheit, die mit akuten Atemnotanfällen, krankhafter zäher Schleimbildung und manchmal mit Reizhusten einhergeht. Auch nicht allergische unspezifische Reizstoffe wie Ozon oder Feinstaub können Asthmaanfälle auslösen. Ca 6 % der Kinder leiden an Asthma, die Zahlen sind steigend!

Beide Krankheiten sind nicht immer leicht voneinander abzugrenzen, vor allem wenn bereits im frühen Jugendalter geraucht wird und es zu systematischen Symptomüberlagerungen kommt. Eine genaue Untersuchung nicht nur der Lungen, sondern auch des Blutes sind erforderlich um eine klare Diagnose zu stellen, die für die weitere Behandlung ausschlaggebend ist.

 

„Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung muss auf den Husten gelegt werden.“

 

Aufklärung ist notwendig: die Aufmerksamkeit der Bevölkerung muss auf den Husten gelegt werden! Husten ist das häufigste Symptom in der Praxis des Hausarztes- die Zuordnung des Symptoms zur Krankheit muss durch den Arzt erfolgen. Wichtig ist, dass jeder Husten, der länger als 12 Wochen besteht, abgeklärt werden muss, weil hier eine chronische Krankheit dahinter steckt.

Kinder , die regelmäßig husten, vor allem nachts oder beim Spielen, müssen auf Asthma untersucht werden. Erwachsene, die husten, oder beim Arbeiten kurzatmig sind, müssen - vor allem wenn sie rauchen - auf COPD untersucht werden. 

 

Prävention ist möglich

Saubere Einatemluft ist hier das Wichtigste: Schutz vor passivem Rauchen und Unterlassen des aktiven Rauchens. Infektionsschutz durch Impfen, besonders bei Risikogruppen, Desensibilisierung und Impfen gegen Allergene für allergische Asthmatiker sind weitere Vorsorgemaßnahmen für Gesunde und Erkrankte.

Das Verständnis der Bedeutung der gesunden Lungen als Leistungsträger für den gesamten Organismus ist der erste Schritt zur Vermeidung von Krankheit!